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"Sexueller Missbrauch oder sexuelle Gewalt ist immer dann gegeben, wenn ein Erwachsener oder Jugendlicher ein Mädchen oder einen Jungen dazu benutzt, eigene Bedürfnisse mittels sexualisierter Gewalt auszuleben. Der Täter nutzt seine Machtposition und die Abhängigkeit des Kindes aus und ignoriert die Grenzen des Kindes. Er sieht das Kind nur noch als Objekt. Macht auszuüben und die eigene Macht über andere zu spüren ist ein zentraler Beweggrund für Täter, sexuelle Gewalt auszuüben. Bei sexuellem Missbrauch besteht immer ein Machtgefälle zwischen dem Täter und seinem Opfer."
(Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 03/2006)
Der Begriff „sexueller Missbrauch“ ist nach meinem Empfinden insoweit nicht stimmig, da es sich eher um Gewalt handelt, die auf sexueller Ebene ausgelebt wird. Der Täter befriedigt aufgrund des Machtgefälles und der Abhängigkeit des Kindes sein Machtbedürfnis unter Zuhilfenahme sexueller Handlungen. Daher finde ich den Begriff „sexualisierte Gewalt“ passender.
Auch wenn die Grenze zwischen erlaubt und nicht erlaubt oft fliessend ist, bin ich der Auffassung, dass man nicht versehentlich missbrauchen kann. Ein Kind merkt sehr wohl, was es möchte und was nicht und es zeigt dies auch. Wann immer dies übergangen wird, stellt dies in meinen Augen eine Grenzverletzung dar und ist somit Missbrauch. Natürliche Zärtlichkeiten und körperlicher Kontakt zu den Bezugspersonen sind wichtig für die gesunde Entwicklung eines Kindes und stellen keinen Missbrauch dar. Achten die Erwachsenen dabei auf die Signale des Kindes, werden sie merken, wenn Sie dem Kind "zu nahe" kommen, wenn es sich bedrängt fühlt, akzeptieren Erwachsene dann auch diese Grenzen, wird auch kein Missbrauch stattfinden. Im Zweifelsfall ist es die Pflicht eines Erwachsenen eine vernünftige Grenze zu setzen, das Kind ist dazu nicht in der Lage.
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"Sexuelle Handlungen" sind nicht nur offentsichtliche Dinge wie das Berühren und Streicheln der primären und sekundären Sexualorgane des Kindes mit Händen, Zunge, Geschlechtsorganen und Gegenständen, bzw das Auffordern des Kindes dieses beim Erwachsenen oder sich selber zu tun, gemeint sind auch Vorzeigen von Bildmaterial oder realen Situationen, um sich oder das Kind sexuell zu stimmulieren. Auch anzügliche Bemerkungen in Gegenwart des Kindes oder über das Kind sind sexuelle Handlungen.
Beim Missbrauch überschreitet der/die TäterIn die individuellen Grenzen des Kindes oftmals massivst. Der/die TäterIn setzt seine/ihre Macht ein um zu erreichen, was er/sie möchte. Grenzüberschreitungen können so "harmlos" mit einem nett gemeinten Spruch wie "Du musst dich für das Geschenk mit einem Kuss bedanken" erfolgen oder brutal durch körperliche Gewalt bzw das Ausspielen der körperlichen Überlegenheit, also durch körperlichen Zwang. Für die Überschreitung der Grenze spielt es keine Rolle, ob mit Gewalt oder durch "Überreden". In der Folge lernt das Kind, dass seine/ihre Grenzen nicht wichtig sind, es ist verunsichert, weil es eine Grenze wahrnimmt, die aber von den "Vorbilder" (zb. Bezugspersonen) als solche nicht ernstgenommen wird. Es lernt nicht, sich auf seine Gefühle und Wahrnehmungen zu verlassen. "stell dich nicht so an" oder "das tut doch gar nicht weh" oder "Indianer kennen keinen Schmerz" "heul nicht so rum, du bist eine Heulsuse", "dir gefällt das doch auch!" oder "ich weiss, dass du das auch willst" zeigen dem Kind, dass es ja offensichtlich falsch fühlt. Hierbei ist es wichtig zu sehen, jedes Kind darauf angewiesen ist, Erwachsene als eine Art Vorbild zu sehen. Aus Sicht des Kindes ist der Erwachsene ein "fertiger Mensch" etwas, was es auch wird, wenn es mal gross ist, daher sind seine/ihre Worte sozugsagen "Gesetz", es kann nicht unterscheiden ob das richtig oder falsch ist, das muss es ja erst lernen. Alles was es durch Missbrauch lernt ist: meine Gefühle sind falsch / nicht wichtig.
Sexualisierte Gewalt ist auch immer ein massiver Vertrauensbruch. Das Kind und der TäterIn sind fast immer in einer vertrauensvollen Bindung, sei es Eltern-Kind, oder Freund-Kind, Trainer-Kind, Geschwisterkonstellationen etc. Genau diese Vertrauen wird vom TäterIn ausgenutzt. Es ist nunmal nicht der "grosse Unbekannte" der das Kind missbraucht, dies ist in den aller seltensten Fällen der Fall. Auch ist die Tat keine spontane Tat, sondern in der Regel geplant und vorbereitet. Auf Grund des herrschenden Vertrauens, kennt der TäterIn das Kind auch gut genug, um wissen zu können, wie er/sie auch psysischen Druck auf das Kind ausüben kann, es kennt sozusagen seine Schwachstellen. Und genau diese werden vom Täter dann auch bewusst genutzt. Systematisch isolieren TäterInnen die Opfer um Geheimhaltung zu erreichen, damit sich das Kind niemanden anvertrauen kann. Das Kind wird zb. unglaubwürdig gemacht, in dem überall erzählt wird, "xy hat eine rege fantasie, die/der erzählt die reinsten Horrorgeschichten, ich weiss gar nicht wo das Kind die wiedermal herhat" oder bedroht "ich töte dein Haustier, wenn du was sagst". Das Kind lernt: vertraue niemanden, denn die, denen du vertraust, sind die, die dir am meisten wehtun können.
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Die Folgen von sexualisierter Gewalt sind so vielfältig wie die Menschen. Aber einiges haben die ehemaligen Opfer wohl alle gemeinsam, vorallem wohl: gestörtes Urvertrauen, meist erhebliche Störungen bei der Wahrnehmung der eigenen Grenzen, Wünschen und Bedürfnissen sowie mangelndes Selbstbewusstsein.
Sexualisierte Gewalt betrifft nicht nur den Körper des Opfers, sondern greift massivst in die seelische Entwicklung ein. Daher trifft es der Satz auch gut:
Sexualisierte Gewalt ist Seelenmord
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An dieser Stelle mal ganz klar und deutlich zu sagen:
Der "normale" Missbrauch findet nicht durch den "bösen Fremden, der mit dem Auto an einer dunklen Ecke lauert und das Kind entführt" statt. 96% des Missbrauchs findet in der näheren bzw nähsten vertrauten Umgebung des Kindes statt, also zb. in der Familie, in Institutionen wie Schule, Kita, Sportverein, Kirche usw. und auch in (therapeutischen) (Wohn-)Einrichtungen. Die TäterIn sind dem Kind vertraut bzw der TäterIn baut gezielt eine Beziehung zu dem Kind auf.
Im Folgenden wird vermehrt auf männliche Täter eingegangen, da die Erforschung auf diesem Gebiet einfach wesentlich weiter ist. Das es auch weibliche Täterinnen gibt ist ein Punkt den unsere Gesellschaft nur zu gerne verleugnet oder/und kleinredet, daher gibt es hier weniger Untersuchungen zu. In soweit sind Statistiken in meinen Augen auch absolut nicht aussagekräftig, da dieser Bereich viel zu wenig Beachtung findet.
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Das "klassische Täterprofil" gibt es nicht; die Täter sind nicht geisteskrank oder sonst irgendwie auffällig, wie gerne angenommen wird. Sie zeigen eben keine klassischen nach aussen ersichtlichen Merkmale; sie leben in allen sozialen Gesellschaftsschichten und zeigen auch keine vermehrte psychologischen Störungen, an denen man sie erkennen könnte, im Gegenteil, Täter sind eher unauffällig und angepasst. "sie leben unter uns, wie du und ich"
Dennoch kann man ein paar "Auffälligkeiten" nennen, die die meisten Täter gemeinsam haben, daraus kann man aber leider kein Täterprofil herleiten.
Die meisten Täter sind nicht in der Lage, ihre eigenen Bedürfnisse und die des Kindes zu unterscheiden, d.h. sie übertragen ihren Wunsch nach Zärtlichkeiten und Sexualität auf das Kind. ("der/die wollte das doch auch, kleine Lolita"). In den seltesten Fällen sind Täter, die einen Jungen missbrauchen, homosexuell, sondern überwiegend heterosexuell orientiert, die meisten sind verheiratet und wären "beleidigt" wenn man sie als homosexuell bezeichnen würde. Auffällig ist allerdings oft eine gewisse ausgeprägte sexuelle Grundhaltung und Anspruch auf die Vormachtstellung eines Mannes ggü einer Frau/Kind. In verschiedenen Untersuchungen hat sich gezeigt, dass die meisten Täter kein Unrechtsbewusstsein haben, sie wälzen die Verantwortung für die Tat auf das Kind oder das Umfeld ab und verleugnen die Folgen ihrer Tat.
Über das "Warum" ein Mann zum Täter wird, möchte ich mich nicht auslassen, denn ich bin absolut der Meinung, das nichts, aber auch gar nichts in der Vergangenheit eines Menschens, diesen "berechtigt" ein weiteres Unrecht zu begehen. Für Missbrauch gibt es keine Entschuldigung in meinen Augen. Auch wenn viele Männer offensichtlich selber Opfer waren, ändert dies nichts daran, dass man dies "nicht weiter geben" darf. Als Erwachsener hat man die Möglichkeit zu entscheiden: sich Hilfe holen oder Täter werden und für diese Entscheidung hat man dann auch die Verantwortung zu tragen.
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Das eine Frau auch eine Täterin sein kann, ist etwas was in unserer Gesellschaft verharmlost oder gar nicht erst geglaubt wird. Noch heute muss ein Mann Kommentare über sich ergehen lassen wie "eine Frau kann keinen Mann vergewaltigen" oder "wenn ein Mann nicht will, bekommt er keine Erektion, also wollte er es ja". Der Körper reagiert auch auf äussere Reize, sowohl ein Mann als auch eine Frau kann während einer Vergewaltigung einen Orgasmus haben, auch wenn sie ganz klar den Sex nicht wollten.
Wird ein (pubertierender) Junge von einer Frau sexuell missbraucht, dann wird dies oft gedreht als "Einführung in die Geheimnisse der Sexualität". Der Junge soll der Frau auch noch dankbar sein, da er ja jetzt weiss "wie das läuft" und nicht mehr rumexperimentieren muss.
Sexualisierte Gewalt von Frauen an ihren Kindern wird häufig in der Pflege der Kinder versteckt und daher weniger ersichtlich, als medizinische Untersuchungen getarnt, oder als Vorsorge erklärt. Das Kind ist auch hier in der Lage, dass es wahrnimmt "etwas stimmt nicht, ich möchte das nicht" aber es kann sich nicht wehren und sich auch von Aussen keine Hilfe holen. Bestenfalls heisst es dann "deine Mutter ist etwas überbesorgt" oder ähnliches. Von Missbrauch wird hier in der Regel nicht gesprochen.
Frauen werden sowohl an Jungen, als auch an Mädchen zu Täterinnen. In wie weit Täterinnen selber mal Opfer waren, ob es darüber Erkenntnisse oder Statistiken gibt, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich habe dazu nur eine Untersuchung im Rahmen von Resozialisierungsmaßnahmen in England gefunden.
In England werden wegen Missbrauchs verurteilte Frauen auf Therapie entlassen, bei Rückfälligkeit werden sie sofort wieder inhaftiert. Erste Erkenntnisse aus den Therapieen lassen den Schluss zu, dass diese Mütter ihre Kinder als ihr Eigentum wahrnehmen und sich im Recht glauben, sie missbrauchen zu dürfen.
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Broschüre Bundesministerium
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(moony)