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Borderline

Inhalt:


Borderline - Was ist das überhaupt?

Borderline wird zu den Persönlichkeitsstörungen gezählt. Die genaue Bezeichnung für diese Erkrankung ist "emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typus" (ICD-10 F60.31).

Der Name "Borderline" kommt aus dem Englischen und bedeutet "Grenzlinie". Dieser Name wurde gewählt, da man früher annahm, die Betroffenen würden sich auf einer Grenzline zwischen Neurose und Psychose bewegen, standen quasi dazwischen, waren weder der einen noch der anderen Gruppe eindeutig zuzuordnen. Um es lapidar auszudrücken wurde früher oft behauptet, dass die Betroffenen sich irgendwo zwischen "halbwegs normal verrückt" und "total durchgeknallt" befänden.

Mittlerweile ist die Störung als eigenes Krankheitsbild anerkannt - der Name wurde allerdings übernommen.

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"Emotional instabil" - Und was heißt das?

Um aus dem ICD zu zitieren:

"Eine Persönlichkeitsstörung mit deutlicher Tendenz, Impulse ohne Berücksichtigung von Konsequenzen auszuagieren, verbunden mit unvorhersehbarer und launenhafter Stimmung. Es besteht eine Neigung zu emotionalen Ausbrüchen und eine Unfähigkeit, impulshaftes Verhalten zu kontrollieren. Ferner besteht eine Tendenz zu streitsüchtigem Verhalten und zu Konflikten mit anderen, insbesondere wenn impulsive Handlungen durchkreuzt oder behindert werden.

Zwei Erscheinungsformen können unterschieden werden: Ein impulsiver Typus, vorwiegend gekennzeichnet durch emotionale Instabilität und mangelnde Impulskontrolle; und ein Borderline- Typus, zusätzlich gekennzeichnet durch Störungen des Selbstbildes, der Ziele und der inneren Präferenzen, durch ein chronisches Gefühl von Leere, durch intensive, aber unbeständige Beziehungen und eine Neigung zu selbstdestruktivem Verhalten mit parasuizidalen Handlungen und Suizidversuchen."

Klingt kräftig hochgestochen, läßt sich aber auch einfacher zusammenfassen:

Borderliner...

  • handeln oft, bevor sie drüber nachdenken
  • haben oft Stimmungsschwankungen von "himmelhoch jauzend" bis "zu Tode betrübt" und wieder zurück innerhalb kürzester Zeit
  • werden manchmal agressiv - mit Worten, leider manchmal auch mit Taten
  • provozieren manchmal Steitereien
  • versuchen manchmal andere zu manipulieren
  • sind oft leicht verletzlich
  • wissen oft nicht wer sie wirklich sind und was sie wollen
  • fühlen sich innerlich oft leer
  • neigen oft zur Schwarz-Weiss-Malerei
  • haben oft Probleme mit anderen Menschen, weil sie andere oft als "nur gut" oder "nur schlecht" sehen und die Grautöne bei ihnen nicht ankommen
  • haben oft Angst, allein zu sein, aber genauso viel Angst, sich auf andere einzulassen
  • verletzten sich manchmal selber
  • haben manchmal Suizidversuche hinter sich bzw. denken über Selbstmord nach

Hört sich immer noch nicht toll an. Ist es auch nicht. Aber man kann lernen, damit umzugehen und zu leben! Und die Symptome lassen sich durch Therapie auch deutlich vermindern!

Und die meisten Borderliner, die ich bisher kennengelernt hab, waren insgesamt doch recht umgänglich. Zwar manchmal ein bisschen kompliziert, aber eigentlich immer mit dem Herz am richtigen Fleck!

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Borderline - Wie erkenn ich's?

Nach dem DSM-IV (noch so ein Diagnosenauflistungseinteilungswirsindallegestörtteil für Therapeuten, Psychiater und andere Psycholeute) hat jemand mit großer Wahrscheinlichkeit eine Borderlinestörung, wenn fünf der folgenen neun Punkte zutreffen:

  1. Verzweifeltes Bemühen, tatsächliches oder vermutetes Verlassenwerden zu vermeiden. (Beachte: Hier werden keine suizidalen oder selbstverletzenden Handlungen berücksichtigt, die in Kriterium 5 enthalten sind.)
  2. Ein Muster instabiler, aber intensiver zwischenmenschlicher Beziehungen, das durch einen Wechsel zwischen den Extremen der Idealisierung und Entwertung gekennzeichnet ist.
  3. Identitätsstörung: ausgeprägte und andauernde Instabilität des Selbstbildes oder der Selbstwahrnehmung.
  4. Impulsivität in mindestens zwei potentiell selbstschädigenden Bereichen (Geldausgaben, Sexualität, Substanzmißbrauch, rücksichtsloses Fahren, "Essstörungen").(Beachte: Hier werden keine suizidalen oder selbstverletzenden Handlungen berücksichtigt, die in Kriterium 5 enthalten sind.)
  5. Wiederholte suizidale Handlungen, Selbstmordandeutungen oder -drohungen oder Selbstverletzungsverhalten.
  6. Affektive Instabilität infolge einer ausgeprägten Reaktivität der Stimmung (z. B. hochgradige episodische Dysphorie, Reizbarkeit oder Angst, wobei diese Verstimmungen gewöhnlich einige Stunden und nur selten mehr als einige Tage andauern).
  7. Chronische Gefühle von Leere.
  8. Unangemessene, heftige Wut oder Schwierigkeiten, die Wut zu kontrollieren, (z. B. häufige Wutausbrüche, andauernde Wut, wiederholte körperliche Auseinandersetzungen).
  9. Vorübergehende, durch Belastungen ausgelöste paranoide Vorstellungen oder schwere dissoziative Symptome.

Ich bitte von Selbstdiagnosen anhand dieser Liste abzusehen! Wenn man es drauf anlegt, könnte sich so ziemlich jeder in dem ein oder anderen Punkt wiederfinden. Worauf es ankommt, ist wie sehr die einzelnen Punkte in einem verankert sind, wie man drunter leidet, wie tiefgreifend das ist. Und es gibt auch eine Reihe anderer Störungen, bei deinen einige dieser Punkte zutreffen. Also verpasst euch eure Diagnose bitte nicht selber anhand so einer Liste!

Wenn es euch schlecht geht, ihr Probleme hat, vielleicht auch die Vermutung habt, dass das da oben auf euch zutreffen könnte - geht zum Arzt und/oder Therapeuten und sprecht mit dem darüber! Denn nur diese Fachleute können so eine Diagnose vergeben (und selbst die können sich unter Umständen noch irren)! Und vor allem können die auch helfen!

Bei den wenigsten Borderlinern treffen alle der obigen Punkte zu. Bei jedem unterscheiden sie sich auch in der Intensität. Borderliner ist nicht gleich Borderliner! Zwar gibt es Muster, die sich bei vielen wiederholen, doch sind diese bei den verschiedenen Personen meist auch verschieden ausgeprägt.

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Borderline - Was heißt das für Betroffene?

Um mal auf die einzelnen Punkte der Diagnostik näher einzugehen:

  1. Verzweifeltes Bemühen, tatsächliches oder vermutetes Verlassenwerden zu vermeiden

    Viele Borderliner neigen dazu, sich an andere zu klammern. Sei das nun der gute Freund oder auch der Partner. Es wird gebettelt und gefleht, es wird sich verstellt oder auch versucht zu manipulieren. Die Botschaft dahinter ist: "Lass mich nicht alleine, ohne dich bin ich nichts, ich brauche dich!"

    Für einige Borderliner gibt es kaum etwas Schlimmeres, als das Alleinsein ertragen zu müssen. Sie fühlen sich dann ungeliebt, ungewollt, abstossend, als wolle niemand mit ihnen etwas zu tun haben. Es reisst alte Wunden des Verlassenwerdens wieder auf. Darum wird oft geklammert.

  2. Ein Muster instabiler, aber intensiver zwischenmenschlicher Beziehungen, das durch einen Wechsel zwischen den Extremen der Idealisierung und Entwertung gekennzeichnet ist

    Viele Borderliner haben immer wieder wechselnde Freunde und Partner. Anfangs sehen diese Beziehungen für sie immer wunderbar aus. Das Gegenüber ist der Tollste, der Einfühlsamste, der Lustigeste, etc. Die Schattenseiten werden so gut es geht ausgeblendet. Es wird nur das Gute wahrgenommen. Bis das Bild dann irgendwann kippt. Der Freund oder Partner irgendwas sagt oder macht, was überhaupt nicht mehr in diese Idealisierung passt. Und plötzlich wird nur noch das Negative gesehen. Was für ein Idiot das ist, der sich gar nicht zu benehmen weiss, nur auf den eigenen Vorteil aus ist, usw... (Alles nur Beispiele!). Aber auch dieses Bild kann wieder kippen, dass der Borderliner bald wieder nur das Gute sieht.

    Das Gegenüber ist abwechselnd bester Freund und größter Feind. Die Grautöne dazwischen, werden nicht richtig wahrgenommen. Es wird in "gut" und "böse" gespaltet, und es fällt vielen Borderlinern schwer, beide Seiten gleichzeitig in einem Menschen vereint zu sehen.

  3. Identitätsstörung: ausgeprägte und andauernde Instabilität des Selbstbildes oder der Selbstwahrnehmung

    Kurz gesagt: Viele Borderliner wissen nicht richtig, wer oder was sie überhaupt sind. Im einen Moment sind sie von sich überzeugt, glauben dieses oder jenes gut zu können (was durchaus sehr oft zutrifft!), im nächsten halten sie sich total unfähig dafür, glauben nichts auf die Reihe zu bekommen, wissen nicht, was sie erreichen wollen, wo es sie hinzieht, was ihre Ziele sind, was ihre Interessen sind...

  4. Impulsivität in mindestens zwei potentiell selbstschädigenden Bereichen

    Damit wird oft versucht, das Gefühl der inneren Leere zu überdecken, vor sich selbst zu fliehen, oder auch Druck abzubauen.

  5. Wiederholte suizidale Handlungen, Selbstmordandeutungen oder -drohungen oder Selbstverletzungsverhalten

    Viele Borderliner verletzen sich selber. Ziel dahinter ist oft, entweder der Leere in sich zu entfliehen oder Druck abzubauen. Wenn man jemanden vor sich hat, der gerade dabei ist durchzuknallen, würde man den ja auch gern einfach nehmen und einmal kräftig durchschütteln oder eine Ohrfeige verpassen, damit der wieder auf den Boden zurückkommt. Sowas ähnliches läuft bei der Selbstverletzung auch ab. Nur das man sich damit quasi selber wieder auf den Boden zurückholt. Sie "verlagern den Schmerz", "weinen rote Tränen, weil sie sonst nicht weinen können", holen sich durch den körperlichen Schmerz wieder ins Hier und Jetzt zurück.

    Suizide bzw. Suizidversuche gibt es leider auch recht häufig, besonders wenn der innere Schmerz nicht mehr auszuhalten ist, wenn alles sinnlos erscheint, man keine Hoffnung mehr hat.

  6. Affektive Instabilität infolge einer ausgeprägten Reaktivität der Stimmung

    Könnte man auch einfacher extreme Stimmungsschwankungen nennen. Wirkt oft launisch. Durch innere oder äussere Auslöser, die den Betroffenen oft nichtmal bewusst sind, kippt die Stimmung oft von bester Laune in Depression um oder zu Angst oder zu Reizbarkeit und wieder zurück und hin und her... Ein ziemliches Gefühlsdurcheinander also, das für Außenstehene noch schwerer zu verstehen und nachvollziehen ist als für die Betroffenen selber

  7. Chronische Gefühle von Leere

    Viele Borderliner fühlen sich oft innerlich leer, mehr tot als lebendig. Fühlen sich in einer Langeweile gefangen, die sich mit nichts füllen läßt (obwohl sie eigentlich genug zu erledigen hätten).

  8. Unangemessene, heftige Wut oder Schwierigkeiten, die Wut zu kontrollieren

    Viele Borderliner neigen dazu, es nach aussen auszuleben, wenn sie wütend sind, können es nicht kontrollieren. Dabei hat ihre Wut oft nur indirekt etwas mit der jeweiligen Situation zu tun und geht sehr oft über ein angemessenes Maß hinaus. Die Heftigkeit dieser Wutausbrüche läßt sich oft nicht mehr kontrollieren, eine Kleinigkeit kann reichen, um quasi das Fass zum Überlaufen zu bringen.

  9. Vorübergehende, durch Belastungen ausgelöste paranoide Vorstellungen oder schwere dissoziative Symptome

    Wenn Borderliner unter großem Stress stehen, egal ob von außen oder von innen ausgelöst, können zusätzlich noch Symptome dazu kommen, die die Betroffenen meist als ziemlich belastend empfinden.

    Zum einen wären da paranoide Vorstellungen oder Halluzinationen. Manche Borderliner fühlen sich dann z.B. bedroht oder verfolgt oder ähnliches, obwohl dies in der Realität nicht zutrifft. Auch sieht, hoert, fuehlt mancher Betroffener in so Momenten Dinge, die in der Realität nicht da sind (ist sich aber oft noch bewußt, dass sie nicht der Realität entsprechen!).

    Auch dissoziative Symptome können dann auftreten. Man nimmt sich selbst oder die Umwelt z.B. nicht mehr richtig wahr, verzerrt wahr. Erlebt das Geschehen, als würde man durch eine Glasscheibe zugucken, hat keinen Bezug darauf, fühlt sich "neben sich stehend". Oder man nimmt seinen Körper nicht mehr richtig wahr, fühlt ihn nicht mehr, nimmt ihn nicht als zu sich gehörig wahr.

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(myra)

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Mi, 08. 09. 2010 17:59

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